Lustspielhaus
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Im Weißen Rössl

Im Weißen Rössl

Die Sommer-Operette im Lustspielhaus

mit Ch. Blumhoff, C.Lindner, J. S. Sem/ M.Morreis, S.Groebner, Ch.Lex, N.Steinke, T.Wenke

IM WEISSEN RÖSSL VON BENATZKY-CHARELL IN EINER BEARBEITUNG FÜR DAS LUSTSPIELHAUS MÜNCHEN VON CHRISTIAN LEX
Niemand hat es totgekriegt. Das Rössl hat in seinen 80 Jahren alles überlebt. Und was hat man ihm nicht alles angetan: Betondauerwellentragende Wirtinnen, schwarze Lacklederhosen in Stringgröße für die Herren und Polyestergeranien für die Dekolletés der Damen. Und nun kommt das Rössl endlich ins Lustspielhaus und will vor allem eines: Leben! Und das Schöne: Hier darf es das auch.
Stefan Dettl und Hans Kröll haben ein noch nie gehörtes Arrangement der ewig jungen Musik geschrieben und Christian Lex versetzt in Bearbeitung und Regie das Ross ganz gehörig in Galopp.

Um was es geht?
Im "Weissen Rössl" am Wolfgangsee herrscht leicht schläfrige Idylle - jedenfalls bis die Sommergäste aus aller Welt einfallen. Dazu gesellt sich Chaos in Liebesdingen: Vergeblich liebt der Zahlkellner Leopold seine Chefin, die "Rössl"-Wirtin Josepha Vogelhuber. Die Angebetete hat jedoch ein Auge auf den langjährigen Berliner Stammgast Dr. Siedler geworfen. Dieser wiederum hat nur Augen für Ottilie, Tochter des cholerischen Fabrikanten Wilhelm Gieseke. Der Herzensverwirrungen nicht genug, muss Dr. Siedler außerdem einen gerichtlichen Prozess gegen Gieseke führen, im Auftrag eines konkurrierenden Unternehmens, für das nun wiederum der schöne Sigismund – als Sohn des Chefs – in das Salzkammergut reist. Dort angekommen, erwachen in ihm Frühlingsgefühle für Klärchen, Tochter von Professor Hinzelmann. Der turbulente Liebesreigen beginnt, nimmt gehörig Fahrt auf und geht mit furiosem Schlußgalopp durchs Happy-End-Ziel, wo Kaiser Franz Josef seufzend alles auf den Punkt bringt: "Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut".

Besetzung:

Josepha: Christiane Blumhoff
Leopold: Severin Groebner
Siedler/ Kaiser/ Gast: Thomas Wenke
Klärchen/ Kathie/ Gast: Constanze Lindner
Giesecke: Norbert Steinke
Ottilie/ Gast: Josepha Sophia Sem/ Marlene Morreis
Sigismund: Christian Lex

Musik:
Hans Kröll: Trompete
Florian Burmayr: Tuba
Thomas Hoeger/ Erwin Gaulhofer: Posaune
Musikalische Idee : Stefan Dettl (LaBrassBanda)
Musikalische Bearbeitung: Hans Kröll
Kostüm: Doris Scholze-Khumalo
Fotos und Plakat: Martina Bogdahn
Bearbeitung und Regie: Christian Lex

Erleben Sie das weisseste Rössl, das Sie je erlebt haben!!!
Eine Lustspielhaus-Produktion

Die ersten Kritiken:

Süddeutsche Zeitung
München/Kultur,29.07.2010
Von Egbert Tholl
Da kann man gut lustig sein
Das "Weiße Rössl trabt durch die Occamstrasse.
Wer jetzt gedacht hat, das Lustspielhaus würde das Pferdchen von hinten aufzäumen, würde nach so schrägen Merkwürdigkeiten wie „Watzmann“, „Siegfried“ oder „Auerbachs Keller“ aus der Operette „im Weissen Rössl“ ein weiteres Meisterwerk des aufgeklärten Unsinns formen, der sah sich getäuscht. Natürlich, der Abend ist ungemein lustig, komisch, heiter, ach was noch alles. Aber, und das ist das zunächst Verblüffende: Die Inszenierung ist fast werktreu zu nennen, falls das im ureigenen Lustspielhaus – Subgenre möglich ist. Sollte dies nicht möglich sein, so ist sie auf jeden Fall eines: ein zärtlicher, liebesvoller Umgang mit einer unverwüstlichen Schmonzette.

Freilich, auch in der Inszenierung von Christian Lex stehen Menschen auf der Bühne, darunter er selbst, denen das Ungewöhnliche per se innewohnt, dazu müssen sie zunächst nicht viel beitragen.
Etwa Constanze Lindner. Die serviert keine Paprika-Hendl, die ist eines. Und muss dafür gar nicht viel sprechen, singen oder lispeln, sie muss einfach nur dreinschaun wie ein Gewitter über dem Wolfgangsee, vorne scheint die Sonne und hinten donnert es. Oder Thomas Wenke, als Rechtsanwalt ein aus weiter Entfernung auf den See zukollernder Findling, der sich irgendwo im Norden von seinem Muttergebirge gelöst hat, dort, wo man merkwürdige deutsche Dialekte spricht, und dann als steinalter Ösi-Kaiser im Hotel aufschlägt, ein wunderbar großes Sinnbild der in müdem Charme untergehenden Donau-Monarchie. Munter macht ihn nur die Wirtin, und das hat schon seinen Grund.
Viel braucht es nicht für diesen Abend, der so leicht ist wie Salzburger Nockerl, und damit ist die Süßspeise gemeint, nicht das Dekolleté der Rössl-Wirtin. Das Stückerl ist naiv, selbstverständlich, und folgt damit den Spuren, die Ralph Benatzky mit seiner Musik vor 80 Jahren schon gelegt hat, und auf denen viele Jahre später der Peter-Alexander-Film hinterher swingte. Jetzt gibt es drei famose Blechbläser, Hans Kröll, Thomas Höger und Florian Burgmayr, mehr nicht, aber die drei reichen völlig aus, um die herrliche Süße der Melodien, die einem noch Tage nach der Aufführung das Hirn zupappen wird, von der kargen Bühne rinnen zu lassen, garniert mit ein wenig Polka-Irrsinn und manch herzerfrischender Traurigkeit, etwa wenn der Zahlkellner Leopold nicht mehr zuschauen kann und dieses schöne Lied singt, sich dabei den Frack vom Leib zupft und dazu nur eine Trompete erklingt, eine einzige einsame Trompete.
Was das musikalische Arrangement von Stephan Dettl und Hans Kröll an pastos-erdiger Farbigkeit liefert, findet sein theatrales Gegenstück in Luise Kinseher und Severin Groebner, Wirtin und Kellner. Er ist natürlich brillant, das weiß man und das sieht und hört man, etwa wenn er wie ein Gummibaum, der sich zu nah an der Stereoanlage einer Tango-Tanzschule aufgewachsen ist, mit wilder Leidenschaft das Objekt seiner Begierde umschlängelt. Und Groebner ist viel zu sehr Österreicher, um nicht jene Wehmut aus den Tiefen seiner Seele zu holen, die ihm bei den durchgeknallten Vorgänger-Produktionen eher verwehrt war.
Kinseher ist ein zwitscherndes Vergnügen, ganz und gar herzlich, und wenn ihr der Text ein bisserl aus dem Sinn kommt und sie und Groebner ein entzückendes Extempore zaubern, dann entsteht auch noch ein putziger Miniaturkommentar zum postdramatischen, desillusionistischen Theater.

Abendzeitung
29.07.2010
von Gabriella Lorenz
Glückpunkte am Wolfgangsee
Großer Spaß im Lustspielhaus: „Das weiße Rössl“ mit Luise Kinseher.
Helmut Kohl erkor ihn zum Feriendomizil, weil der Wolfgangsee Sommerglück garantiert. Ralph Benatzkys Operette „im weißen Rössl“ hat 1930 dieses Sommerglück unsterblich gemacht. Regisseur Christian Lex serviert es im Lustspielhaus mit einer hinreißenden Kabarett-Truppe: Revue, Parodie, Satire und die verschlankte, aber ernst genommene Musik bringen es auf den G(lücks)-Punkt.
Im Hotel „Das weiße Rössl“ führt die resche und resolute Wirtin Josepha das Regiment: Luise Kinseher ist eine ansehnliche Idealbesetzung und singt auch noch wunderbar. Handfest und schlagfertig erwehrt sie sich ihres heillos verliebten Zahlkellners Leopold. Den raunzt Severin Groebner wienerisch zwischen Grant, Arroganz und heulendem Elend hin: mimt den Coolen, umwirbt die Chefin und platzt vor Eifersucht. „Zuschaun kann i net“ singt er verzweifelt und wird gefeuert.
Unter den Hotelgästen sahnt der Ex-Lach & Schießer Thomas Wenke mit trockener Ironie ab: Als listenreicher Rechtsanwalt Siedler verstolpert er köstlich seinen Liebeswalzer als schwerhöriger Kaiser am Rollator guckt er intensiv in Josephas Dekolleté.
Norbert Steinke macht den Berliner Giesecke zum klassischen missmutigen Preußen, seine mondäne Tochter (Jospha Sophia Sem) lässt keinen Zweifel, wer in ihrer künftigen Ehe die Hosen anhat.
Urkomödiantisches Talent zeigt Constanze Lindner als maulende Bedienung Kathi und als herzhaft lispelndes Klärchen, das sich den schönen Siegismund unter den Nagel reißt. Regisseur Christian Lex spielt diesen Weiberhelden mit allzu billigen Hüftschwüngen – da hätte ihn einer inszenieren müssen.
Aber es gibt entzückende Regie-Einfälle, und die Spiellust des Ensembles steckt an. Stephan Dettl von der LaBrassBanda und Hans Kröll haben Benatzkys Musik auf ein Bläsertrio eingedampft: Trompeter Hans Kröll, Posaunist Thomas Höger und Florian Burgmayr an der Tuba ersetzen beswingt jede Big-Band. Sie lassen den Melodien ihren originalen Reiz, und die Schauspieler tanzen und singen spritzig revuehaft.
Hier amüsiert man sich nicht königlich, sondern kaiserlich. Um es mit Franz Joseph zu sagen: „Es war sehr schön. Es hat mich sehr gefreut.“