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Molden, Resetarits, Soyka, Wirth

Ho Rugg

Dies ist der Pressetext zum neuen Album von Ernst Molden. Eigentlich ist er unnötig. Aber dann auch wieder nicht. Das beginnt schon damit, dass es eigentlich nicht das Wort-Beiwerk zum neuen Album von Ernst Molden ist. Sondern, präziser, zu einem Werk der Herren Molden, Resetarits, Soyka und Wirth. Das ist so wichtig wie es promotionstechnisch unklug ist, wie ich Herrn Molden immer wieder erkläre. Aber so denken Labelbetreiber: wo ordnen dann die Plattenverkäufer die Tonträger ein? Kann man Journalisten legér "das neue Molden-Album" ankündigen, wenn dann vier Namen draufstehen? Und wollen das die Hörer, Konsumenten, Fans überhaupt? Eigentlich sind das ja grobschlächtige, unhöfliche Fragen. Denn natürlich kennen die Genannten - jeder ist hier ja ein Fan aller anderen - einander längst. Erst recht in der Wirkungsmächtigkeit dieser Kombination. Exakt dieser Kombination, um ganz präzise zu sein: Molden / Resetarits / Soyka / Wirth.

Und eigentlich ist dieser Text auch unnötig, weil es schon einen gibt. Er ist hinten auf der Platte (bzw. innen im Beiheft der CD) abgedruckt und stammt von Christian Seiler. Dieser Text beschreibt sehr konzise und nicht ohne einen Anflug von Poesie, was Sie zu hören bekommen und warum es so klingt, wie es klingt. Es handelt sich somit zwingend um die Liner Notes von "Ho Rugg", diesem wundersamen neuen Opus des genannten Quartetts. Und mir obliegt es allein, jene anzulocken und mit einem schnöden Schippel an trockenen Informationen zu versorgen, die nicht gleich sagen: ja, eh, wunderbar, auf das warte ich seit Wochen, da hör' ich gleich rein. Und schreibe dann eine vierseitige Lobeshymne für das Feuilleton. Oder so. Für das deutsche Feuilleton haben wir als Fliegenfänger einen Sticker auf "Ho Rugg" geklebt: "Das kann nur aus einem einzigen Ort der Welt stammen: aus Wien". Copyright: Oliver Hochkeppel, "Süddeutsche Zeitung". Wenn Sie sich anstrengen und Sie Trefflicheres, Besseres, Schöneres abliefern, könnt' es gut sein, dass wir beim nächsten Album dann Sie zitieren.

Wien also. Die alte Tante. Die, die immer so melancholisch in den Norden schaut und kaum je nach Osten, Westen oder gar in den Süden. Oh, pardon: doch. Das Burgenland ist ja im Süden. Dort haben Ernst Molden (Texte, Stimme, Gitarren), Willi Resetarits (Stimme, Mundharmonika, Ukulelen), Walther Soyka (Harmonika, Stimme) und Hannes Wirth (Gitarren, Stimme) unter der kundigen Anleitung von Kalle Laar "Ho Rugg" produziert. Und zwar in der Cselleymühle in Oslip, unter der tätigen Mitwirkung von Thomas Pronai, der einen gewissen Hang zu analogen Gerätschaften pflegt. Was die Bandmaschinen festhielten, dringt nun ohne aufwändige Nachbearbeitung an Ihre Ohren. Und, nein, das ist jetzt nicht mit einem "Vintage"-Stempel versehen oder einer aufgesetzten Design-Authentizität geschuldet. Es ist einfach so. "Ho Rugg" ist eine Sammlung von Songs, die manchmal Lieder sind, bisweilen sogar launige Hymnen oder aufgelegte Trinklieder (etwa der Titelsong), nicht selten aber auch dunkle Moritaten, dröhende Reportagen oder vertonte Stillleben. An dieser Stelle vertrete ich nachdrücklich die Meinung, dass sich der Inhalt der Songs fast immer auch den Nicht-Dialekt-Mächtigen eröffnet, auch jenseits des Inns, der oberen Donau oder gar der Elbe. Und zwar aus jenem Momentum heraus, der jedem Fan auch "Satisfaction" eröffnet oder "Suzanne" oder den "Ship Song" von Nick Cave, kurzum: den internationalen Kanon der ewigen Pop- und Rock-Hadern. Ernst Molden hat sich durch dutzende Transkriptionen internationaler Vorlagen ins Wienerische als beseelter Importeur erwiesen. Jetzt setzen wir auf die Exportqualitäten der Gassenhauer von "Ho Rugg".

Ich erlaube mir, Molden deswegen hervorzuheben, weil er letztlich doch der Anstoßgeber der Viererbande ist. Primus inter pares, gewissermaßen. Einerseits stammen die Texte von ihm, anderseits auch die Kompositionen. Aber diese Songs würden anders klingen und eventuell nur halb so rund und ausgeklügelt, würde sie nicht Willi Resetarits (der dem einen oder anderen noch als "Ostbahn-Kurti" in Erinnerung sein wird) mit anstimmen, Walther Soyka mit seiner Knöpferlharmonika begleiten und Hannes Wirth mit der elektrischen Gitarre (und manchmal auch nur mit der akustischen) verzieren. Sanft oder kräftig, ganz wie es der Song erfordert. Und Ernst Molden mit herzlicher Verbindlichkeit einfordert.

Das ist der Pressetext zum neuen Album von Molden / Resetarits / Soyka / Wirth. Eigentlich ist er unnötig. Aber dann auch wieder nicht. Denn "Ho Rugg" soll und kann und darf mehr Hörerinnen und Hörer finden als jedes Album von & mit Molden, Resetarits, Soyka und Wirth zuvor. Und da gab es schon einige. Das nachzulesen - und all die Zitate, Artikel und Elogen auf das Ouevre dieser Herren - ist keine große Kunst. "Ho Rugg" in seiner Gesamtheit aber schon. Der Text ist nur ein schwacher Hebel, um das Album in Ihr Wahrnehmungsfeld zu hieven. Und eventuell tief im Unterbewusstsein zu verankern. Er endet damit auch schon. Und darf ganz versteckt als Bewerbungsschreiben für die Liner Notes des nächsten Albums gewertet werden.

(Walter Gröbchen)