Lustspielhaus
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Stephan Zinner

Wilde Zeiten

Der Sohn, dem der Appetit sichtlich vergangen war, sprach leise: „Der ist aber mutig“, als ein nicht mehr ganz austrainierter Herr, in den Isarauen am Flaucher zu München, aus der Hecke sprang, sich ohne Vorwarnung die Klamotten vom Leib riss und breitbeinig nur einen halben Meter von der brotzeitenden Familie entfernt in den Kies legte, um sich den eh schon vorhandenen Leder-Teint noch weiter zu veröden. Dann hörten sie den Mann mit kehliger Stimme flüstern: „Hier is fei für Nackte!“ und dann kratzte er sich, dass es einem Angst wurde.

Kurz zuvor hatte die Familie schon erstaunt miterlebt, wie eine Frau aus einem großen Fahrzeug hüpfte und mit ihrem rosa Hello-Kitty-Regenschirm auf das Auto der Familie einschlug und minutenlang „Mein Parkplatz, mein Parkplatz!“, schrie. Bereits am Frühstückstisch erfuhren sie aus dem Radio, dass ein Bankangestellter in Südkorea seinem Chef 114-mal das Fax-Gerät auf den Kopf donnerte, bis dieser „endlich“ das Zeitliche segnete. Daraufhin sagte der Vater zu seiner Tochter: “Komm, wir gehen etwas einkaufen für unser Picknick, das beruhigt.“

Als ein kleinwüchsiger Mann in der Gemüseabteilung des Karstadt-Untergeschosses ihren Vater angriff, sagte die Tochter nur „Ich glaub, der mag dich nicht, Papa.“ Stephan Zinner nickte und kaufte statt dem georderten Käse zwei Flaschen Bier für sich und die Tochter bekam eine Tafel Schokolade. Als sie auf den Stufen des Nordbades saßen, schauten sie in die Sonne und dachten gleichzeitig: „Irgendetwas stimmt nicht. Irgendetwas liegt in der Luft. Irgendetwas bringt die Leute durcheinander..., aber der Tag ist ja noch jung..." Die Menschen streben, wenn man den Umfragen glauben darf, nach Ruhe, Ausgeglichenheit, Entspanntheit, einer perfekten Work-Life-Balance etc. etc. führen sich aber auf wie wildgewordene Vollpfosten – was uns wieder zeigt: Solche Umfragen sind einfach nur ein sagenhafter Schmarrn!

Stephan Zinner beschreibt das Erlebte, singt über die Unwägbarkeiten des Lebens, lügt nur sehr, sehr wenig und gibt am Ende noch einen kleinen Tipp wie man vielleicht durchkommt, durch diese „Wilde Zeiten“. Und natürlich wird er auch diesmal seinen Körper zu lockeren Beats bewegen. P.S.: Das Programm wird in bayerischem Dialekt ausgeführt.