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Michael Ehnert

Mein Leben

"Michael Ehnert stürmt den Olymp der Kleinkunst Bereits im zarten Alter von sechs Jahren entdeckte Michael Ehnert die abenteuerliche Welt des Films für sich. Die geheimnisvoll-gefährlichen Posen Marlon Brandos in "Der Pate" und Gary Coopers obercoole Sheriff-Nummer in "High Noon". In einer von Bildern beherrschten Realität, in der man sich zwar an Millionen von Werbe- und Politikerfloskeln erinnert, aber bedauerlicherweise nicht an das erste Mädchen, das man geküßt hat, reicht das, um durchs Leben zu kommen, dachte er sich. In den folgenden 31 Jahren bekam der selbsternannte Superheld für derlei Haltungen immer wieder gewaltig eins auf die Fresse. Nun, mit 37, leidet er auch noch an Standpunktlosigkeit. Selten hat ein Künstler den Weg zu sich selbst, den langen Abschied von kindlich-jugendlichen Wünschen, Hoffnungen, Illusionen und das langsame, zuweilen schmerzhafte Aufschlagen in der Wirklichkeit dergestalt tiefgründig und witzig auf den Punkt gebracht wie dieser Mann. Michael Ehnerts episches Stand-up-Comedy-Solo "Mein Leben" ist schlichtweg phänomenal. Schauspielerisch brillant begeisterte der smarte Hamburger nun in der Regie von Martin Blau von der ersten bis zur letzten Sekunde. Ob als lebender Comic-Strip, tragikomisch gestrauchelter Loser kurz vor dem vermeintlichen Hauptgewinn oder auch als plaudernder Alltagsphilosoph. Ehnert gelingt im Verlauf seines staunenswerten Programms unter anderem ein hochintelligenter Exkurs über das Erwachsenwerden. Er beschert seinem dankbaren Publikum ein wahres Wechselbad aus Gefühlen und messerscharfen Pointen. Mit seiner meisterhaften Autobiographie spielt sich der ohnehin schon preisgekrönte Kabarettist endgültig in den Olymp der Kleinkunst. Der nachgerade euphorische Applaus im Glashaus gerät tobend - und will schier nicht enden. Michael Ehnert hat ihn sich völlig verdient.
(Ulrike Borowczyk, Berliner Morgenpost, 14. Januar 2005)

"Großes Kino ohne Leinwand
Ehnert liebt die Verwandlung. Er begegnet sich selbst als Kind, alkoholkranken Schlafwagenschaffnern und wird immer wieder eine Person mit seinen ganz persönlichen Filmhelden: Marlon Brando, Gary Cooper, Sylvester Stallone. Brillant mimt er seine Vorbilder: Großes Kino ohne Leinwand. Subtil und feinsinnig webt er ein Netz aus Satire, Kabarett und Kammerspiel. Und die Geschichten aus seinem Leben? Sie sind unsere, sind Paradebeispiele für eine verkorkste Gesellschaft ohne Courage. Das programm ist nicht laut, nicht schrill und nichts für notorische Dauerlächler. Am Ende, als alle Bilderwelten einstürzen, wird es leise, poetisch. Ehnert hat sich endlich selbst gefunden und die Erkenntnis gewonnen, dass es 'keine Achse des Bösen gibt, keine Bösewichter aus Kalkül, sondern nur Spacken aus Angst'. Dann muss Ehnert weinen. Über sich, über die Welt. Klingt kitschig, ist es aber nicht. Geht nur unter die Haut."
(Nicole Graner, Süddeutsche Zeitung, 27. Januar 2005)

"Grandios! - MEIN LEBEN heißt die Rückschau auf 36 Jahre Michael Ehnert, der Ex-Hälfte des Kabarett-Duos "Bader-Ehnert-Kommando".
Die leere Bühne der Kammerspiele verspricht zu Beginn jedoch nicht viel. Genau diese Erwartung wird enttäuscht. Der Abend ist - sensationell. Darin schien sich das Publikum jedenfalls einig zu sein, denn wann erlebt man schon einhellige Standing Ovations nach einer Kleinkunst-Premiere?
Ehnert plaudert, philosophiert und parodiert, schmeißt Comedy, Kabarett, Schauspiel und Film zusammen, trifft sich selbst als Sechsjähriger und schafft auf der Suche nach dem eigenen, in drei Jahrzehnten verloren gegangenen Standpunkt irgendwas zwischen Samstag-Abend-Show und Satire. Ehnerts Alleinunterhaltertum hat die Sentimentalität eines Peter Alexander und die Qualität eines Harald Schmidt in Bestform, schauspielerisch allerdings um einiges besser. Die Marlon-Brando-Zitate aus "Der Pate", gewürzt mit stimmlichen Anleihen bei Bernhard Minetti und Inge Meysel, sind wunderbare Kabinettstücke und nur einer von rund einem Dutzend roter Fäden die sich in diesen kurzweiligen Monolog ohne jegliche Längen einreihen. Unbedingt hingehen!
(Mirko Bott, Hamburger Morgenpost vom 27.09.2004)

„Wenn Supermann erwachsen wird...
Ein Juwel zauberte das Eifelturm-Theater aus dem vorweihnachtlichen Gabenkörbchen: Michael Ehnert präsentierte jetzt sein erstes Solo. „Mein Leben“ nennt der Hamburger seine „epische Stand-Up-Comedy“ schlicht – 37 Jahre der Suche nach dem politischen Standort und der Verwirklichung von Idealen. Die Geschichte also von einem, der auszog, als Supermann die Welt zu retten. Für das Multitalent Michael Ehnert eine gute Gelegenheit, zwischen den leicht melancholisch getönten, satirisch überspitzten Biografie-Episoden auch mal kräftig „für die Galerie“ zu spielen – Regisseur Martin Blau sorgte da für eine ausgewogene Mischung. Man hört den hintersinnigen, charmanten Plaudereien gespannt zu, weil Ehnert es schafft, Bilder im Kopf zu erschaffen, in denen man sich ein Stück wiedererkennt.“
(Barbro Schuchardt, Kölnische Rundschau vom 15.12.2004)