Lustspielhaus
münchner LACH+SCHIESS gesellschaft EULENSPIEGEL CONCERTS VEREINSHEIM Die Anstalt
Global Kryner

Weg

Weg wollen ja alle. Aber bloß Global Kryner wissen, wohin: Raus in die Welt und zurück auf die Alm in einem Atemzug. Das ist Jules-Vernes-Pop vom feinsten – und gleichzeitig tollkühne Indiana-Jones-Krynerei. Ob das Globejumping von Slowenien aus nach Kuba führt, in die Mongolei oder ins schöne Traumland eines liebeskranken Musikanten, ist dabei einerlei. Denn der Weg ist bei Global Kryner eben nicht bloß das Ziel, sondern vor allem der lustvolle Umweg. Deshalb ist ihre Musik lieber ein Landschaftsporno mit grandiosen Sonnenuntergängen als ein Stilleben todgeweihter Dinge. Und spätestens wenn größenwahnsinnig gedopte Sechzehntel die Autobahn zerfurchen, steht außer Zweifel, dass gelungene Weltmusik immer schon Erdmusik hätte heißen müssen: Sie wäscht nicht, sondern sie macht schmutzig. Und sie hinterlässt Schweißränder an der Tracht. Das wussten Global Kryner schon annno 2004, als sie erstmals Welthits mit dem Oberkrainersound kreuzten und dafür Jubelstürme ernteten. Alpine Entdeckung des Jahres ist dann zwar ein schöner Job, aber leider auf maximal zwölf Monate befristet. Also drückten Global Kryner auf ihrem zweiten Album aufs Gas und ließen sich furios aus der Kurve tragen, um sich auf diesem dritten, „Weg“, komplett neu erfinden zu können. Die Oberkrainer-Schmuggler per Megahit wenden sich nun als präzise Songwriter der hohen Kunst des Weisheitsschmuggels per Karawankenbeat zu: Wer, bitteschön, wusste vorher schon, dass den toten Frosch und den untoten Mountainbiker das Glück im Unglück verbindet? Das Glück im Glück aber ist heutzutag noch tiefer vergraben. Dennoch gelingt Global Kryner auf „Weg“ eine der tollkühnsten Schatzsuchen seit Erfindung der Ziehharmonika: Global Kryner vermögen es, die sprechenden Klänge glückseliger Beschwingtheit derart kunstvoll mit Ironie zu füttern, dass jenen, die unterwegs einfach gern froh wären, der Spaß nicht verdorben sondern verdoppelt wird. Und nur ein paar Takte später weht echtes, nacktes Pathos so unwiderstehlich herüber wie der zuweilen erinnerte Duft nasser Almwiesen ins malträtierte Metropolenhirn. Da wissen wir endlich: Ja, die Idylle existiert – aber erst die Indiskretion macht sie spannend Deshalb gibt’s kein Halten mehr, doch Vorsicht ist geboten: Die wahrhaft überschwängliche Musik von Global Kryner ist als Antidepressivum, als Schmerzmittel und als Demenzblocker selbstverständlich verschreibungspflichtig und der Beipackzettel ist unbedingt zu beachten: Der „Weg“ ist stehend einzunehmen, am besten in Bewegung. Bloß bevor man den Song „Alt“ hört, sollte man sich setzen. Oder am Tresen lehnen. Denn verzweifelter hat weiser HipHop-Barjazz selten geklungen. Und virtuoser als Global Kryner hat lange niemand mehr daran erinnert, dass auf dem steinigen Weg nach übermorgen noch ein paar Stunden heute übrig sind.