Lustspielhaus
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Alfred Dorfer

und...

Gewinner des Deutschen Kabarettpreises 2017

Wie wird es jetzt weitergehen, fragt er sich? Der rätselhafte Stückauftrag eines Theaterdirektors hat Bewegung in das Leben von Alfred Dorfers Bühnenfigur gebracht. Und: Jetzt steht der Umzug bevor.
Ein Mann, ein Raum, zwei Bananenkisten. Ein leerer Raum, voller Erinnerungen. Was kommt jetzt? Im besten Fall die Spedition. Jene Kraft, die fürs Erste Veränderung schafft. Und daran glaubt Dorfers Protagonist: an die positive Kraft der Veränderung. Wenn „umziehen“ Veränderung bedeutet, ist dann jede Veränderung gleichzeitig ein Umzug für sich selbst?

Zurück bleiben die Nachbarn. Unterschiedliche Menschen, von Beziehungsunfug und anderen Torheiten gebeutelt, durch grandioses Scheitern und die Suche nach einem Ausweg aus der Banalität zur Karikatur ihrer selbst verkommen.

Alfred Dorfer zeigt in seinem neuen Soloprogramm Momentaufnahmen vom Aufbrechen und Ankommen. Episoden aus der Nachbarschaft dienen als Fenster zur Welt und erlauben auch den Blick in eine Zukunft, in der Idealisten endgültig als nützliche Idioten begriffen werden. Virtuos agiert Alfred Dorfer in den von ihm erdachten Parallelwelten, spielt mit Rollen und Perspektiven und präsentiert ein temporeiches und inhaltlich sehr komplexes Ein-Mann- Theater.

Der Wiener Alfred Dorfer zählt zu den wichtigsten Satirikern und Autoren im deutschen Sprachraum, den er als seine Bühne begreift. Ausgezeichnet wurde Dorfer u.a. mit dem deutschen Kleinkunstpreis, dem Bayerischen Kabarettpreis und dem Schweizer Cornichon.


Kritiken:

"Was nimmt man mit, was lässt man zurück, was entdeckt man wieder, von dem man gar nicht mehr wusste, dass man es besitzt? Der Umzug ist die ideale Chiffre für eine Lebensbilanz samt Blick in die Zukunft. Und so bewegt sich Alfred Dorfer auf der Bühne, die seine mit einem Stuhl und ein paar Kartons spärlich möblierte Wohnung darstellt, und orientiert sich. Schlicht „Und“ heißt das neue Programm des Wiener Kabarettisten, das am Mittwochabend im Münchner Lustspielhaus uraufgeführt wurde.
Nicht ein Trumm unbrauchbares Gerümpel ist bei den Sachen, die der 55-Jährige da ein- und auspackt, dafür einerseits jede Menge Erinnerungsstücke und andererseits Gegenstände, die in keinem modernen Haushalt fehlen dürfen. Da findet sich die mit ostischem Akzent redende Mutter (Ähäfrau ist nurr Zweitwohnsitz!), der Tagtraum von der Elfe, in die man sich einst verliebte, längst vergangene Vater-„Freuden“. Doch diese Inventur ist frei von Sentimentalität, dem Blick zurück folgt in der nächsten Sekunde der Blick aufs Heute, und da zeigt sich, dass Dorfer ein begnadeter Beobachter des Zeitgeists ist.
Der „Löönsch“ (das „Meeting für Essgestörte“), überhaupt Anglizismen, das omnipräsente Smartphone und der blinde Glaube an schnöde Statistiken („Es gibt da eine neue Studie...“), Erziehungs- und Beziehungsalltag – mit größter sprachlicher Präzision wirft der Spötter, der auch ein wunderbarer Schauspieler ist, allerlei billigen Tand, den jeder kennt, auf einen großen Haufen. Verstaubte Politikerporträts hängen übrigens nicht in diesem dramaturgisch dichten Solo, was nicht heißt, dass Dorfer nicht politisch ist – ganz im Gegenteil. Die leere Bude macht die tragenden Wände erst recht sichtbar: „Wer einer Frau nicht die Hand geben will, weil sie eine Frau ist, der ist hier falsch!“
Nicht wenig echter Mann und sehr viel Philosoph ist dieser attraktive graue Wolf, der hier virtuos die Dinge sortiert. Wer will, kann sich manches mit nach Hause nehmen aus der Fülle der mehr oder weniger verschmitzt präsentierten Bonmots. „Wer viel weiß, hat deswegen noch lange nicht alles verstanden“ ist so eines, oder „Du kannst den Hahn einsperren, die Sonne geht trotzdem auf“. „Und“ ist voraussichtlich mit das Beste, was sich auf Kabarettbühnen im deutschsprachigen Raum in der nächsten Zeit miterleben lässt. Bei diesem Umzug sollten sich alle Fans des Genres sofort als „Helfer“ melden."
Rudolf Ogiermann, Münchner Merkur

"Ganzkörperkabarettist Alfred Dorfer im Lustspielhaus
Beneidenswert, dieser Alfred Dorfer. Mitte  50, aber geschmeidig wie einst die Katze von Anzing, der Maier Sepp in seinen besten Tagen. Gut, Dorfersegelt zwar nicht spektakulär durch den Strafraum, aber wie er so über die Lustspielhausbühne federt und tigert, gerade noch sitzt und schon wieder hoch schnellt, um am Bühnenrand in eine den Quadriceps extrem fordernde Halbhocke zu gehen – das ist schon großer Sport. Ganzkörperkabarett. Macht bestimmt Yoga, der Typ. Soll er doch. Solange er einem solch luzide Abende schenkt, kann er von uns aus auch zum Zumba gehen – oder bei Sechzig spielen.
„und...“ ist Dorfers siebtes Solo-Programm in 33 Jahren auf der Bühne. Eins, das vordergründig und gar wunderbar unterhält, das aber auch subkutan wirkt, als Nachbrenner noch Stunden später. Die Jury des Deutschen Kabarettpreises formulierte das so: „Ihre volle Wirkung entwickeln seine Programme oft erst ein wenig zeitversetzt – dann aber umso intensiver.“ Stimmt. Da sind zuerst die Scherze über Sitzpinkler, Veganer, zu softe Erziehungsberechtigte und die Chancenlosigkeit des Mannes in Beziehungsoptimierungsgesprächen. Mit einem Dutzend Figuren zieht er uns auch schauspielerisch in seinen Bann, entwirft herrliche Miniaturen und Gedankenspiele: trifft sich selbst als Mittzwanziger, fragt, was wäre, wenn man Gedankenlesen könnte. Und wenn er uns dann hat, dann geht’s ans Eingemachte: Demokratie, Respekt, Toleranz, Humanität und den Kampf gegen Rassismus.
Einer, der sich im Studium mit Nationalsozialismus, Faschismus und Totalitarismus beschäftigt hat, begnügt sich nicht mit Gags über die Merkel-Raute. Der nimmt uns mit zu Platon in die Höhle, zu Zeus und dem gar nicht mal so weisen Seher Teiresias, und er ruft dazu auf, endlich den Verstand zu nutzen: „Wer nur einen Hammer hat, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.“ Ach ja: Tipps für Männer in der Renaissance, also so um die 50, gibt’s auch noch. Wie gesagt: sehr geschmeidig, das alles."
Thomas Becker, Süddeutsche Zeitung

"[...] Er hat nicht nur profundes Wissen über scheinbar fast alles, kann das nicht nur fesselnd erklären, sondern damit auch noch Pointen setzen, bis die Klasse tobt. Auf didaktische Systematik kann er verzichten, denn nur wenige andere beherrschen das Themen-Hopping so spielerisch und elegant. [...]"
Mathias Hejny, Abendzeitung